Mittwoch, 10. Juni 2009

William Butler Yeats oder Die Farbe Gold 2




Sailing to Byzantium

That is no country for old men. The young
In one another's arms, birds in the trees
- Those dying generations - at their song,
The salmon-falls, the mackerel-crowded seas,
Fish, flesh, or fowl, commend all summer long
Whatever is begotten, born, and dies.
Caught in that sensual music all neglect
Monuments of unaging intellect.

An aged man is but a paltry thing,
A tattered coat upon a stick, unless
Soul clap its hands and sing, and louder sing
For every tatter in its mortal dress,
Nor is there singing school but studying
Monuments of its own magnificence;
And therefore I have sailed the seas and come
To the holy city of Byzantium.

O sages standing in God's holy fire
As in the gold mosaic of a wall,
Come from the holy fire, perne in a gyre,
And be the singing-masters of my soul.
Consume my heart away; sick with desire
And fastened to a dying animal
It knows not what it is; and gather me
Into the artifice of eternity.

Once out of nature I shall never take
My bodily form from any natural thing,
But such a form as Grecian goldsmiths make
Of hammered gold and gold enameling
To keep a drowsy Emperor awake;
Or set upon a golden bough to sing
To lords and ladies of Byzantium
Of what is past, or passing, or to come.


Segeln nach Byzantium

Kein Land des alten Manns! Der Jungen Schwang,
die sich in Armen liegen, Vögeln gleich
(obschon der Tod ihr Los) kennt nur den Lustgesang;
Die Fälle voll mit Lachs, die See Makrelen-reich,
Fisch, Vogel oder Fleisch: Den ganzen Sommer lang,
was immer ist gezeugt, erlebt, erbleicht.
Und keiner, sinnberauscht, erweist Respekt
der Monumente ew'gem Intellekt!

Ein alter Mann ist ein erbärmlich Ding,
zerrissner Mantel auf den Stock gehängt (wenn nicht
die Seele pocht und singt und lauter singt
wo immer sterbliches Gewand zerbricht) -
Und keiner lehrt Gesang: ein jeder bringt
nur Weihrauch dar dem eigenen Gesicht.
Darum bin ich gesegelt erdherum
zur heil'gen Stätte von Byzantium.

Oh Wissende in Gottes heil'gem Brand,
gleich Mosaiken, golden und befreit,
kommt aus dem heil'gen Feuer, kreist aus eurer Wand
und spinnt die Seele zum Gesang bereit.
Verzehrt mein Herz (von Lüsten krank,
gefesselt an ein Tier dem Tod geweiht:
es weiß nicht, was es ist) und hebt mich aus der Zeit
heraus in Eure Künstlerschaft der Ewigkeit.

Da ich verlass' Natur, die mich betrübt,
an Formen der Natur nehm ich nicht teil:
Ich nehm die Form, die griech'sche Goldkunst gibt,
gehämmert gleißend Gold und Gold Email,
wie sie der Herrscher vor dem Schlafe liebt
und setzt auf gold'nen Ast, daß sie verweil
und daß sie sing für Edle von Byzantium
was kam und kommt und kommen wird zum Heiligtum.

Translation/ Übersetzung
by / von Walter A. Aue

Was soll diese merkwürdige Überschrift, das muß ich wohl etwas erklären. Nun, William Butler Yeats gehört zu den Autoren, die ich bevorzuge (interessiert es irgend jemanden, daß ich schon einmal an seinem Grab in Drumcliff gestanden habe), und kürzlich erinnerte mich dankenswerterweise Prof. Aue, von dem die obige Übersetzung stammt, eben daran.

In einem literarischen Zirkel soll es demnächst um die Farbe „Gold“ gehen, und als ich ihm davon schrieb, hat er mich so mit Anregungen zugeschüttet, daß ich an diesem Ort den Berg nach und nach abtragen will.

Den Anfang habe ich kürzlich mit dem unglaublichen Gedicht von Robert Frost gemacht: „Nothing Gold Can Stay“. Wer mag, darf hier noch einmal vorbeischauen. Eine Bemerkung zu dem Gedicht von Yeats, nein danke, da gibt es, denke ich, Berufenere.

Kommentare:

Pilgrim hat gesagt…

W wonderful poem, thank you. And please, more Robert Frost too. Propz Pilgrim

MartininBroda hat gesagt…

It is wonderful and thoughtful; it is about “the perfection of the human soul in a city of perfect and eternal art” I’ve read here (http://en.wikipedia.org/wiki/Sailing_to_Byzantium), maybe this and a lot of other things.

Rosabella hat gesagt…

ja, es interessiert mich, dass Sie an seinem Grabe gestanden haben, lieber Martin ... dann haben Sie sicherlich auch die Tafel entdeckt, auf der zu lesen ist: "Reiter, schau kalt / Auf Leben, auf Tod. / Mach hier nicht halt!" ... erinnere heute nochmals an ihn in meinem Facebook, ist doch sein 151. Geburtstag :-) und das hier hat mich gerade irgendwie sehr berührt, als ich es las: "Zu lange Opfer zu bringen, kann ein Herz versteinern."
herzliche Grüße!

MartininBroda hat gesagt…

So ist es. Und Sie denken bestimmt, ich hätte Ihren Kommentar aus Nicht-Achtung bisher nicht beantwortet. So ist es aber nicht. Er blieb immer da. Ich wußte nur nichts zu antworten.