Mittwoch, 2. Februar 2011

Mariä Lichtmeß

Ich habe hier schon mehrfach spekuliert, wann wir denn die Weihnachtszeit als beendet ansehen müssen. Nun, eine Möglichkeit wäre Mariä Lichtmeß. Herr Roloff hat diesen schönen Text dazu geschrieben, den ich nicht vorenthalten will. Und da der Wechsel der Zeiten als Grundton darin mitschwingt, habe ich vier Jahreszeitenbilder hinzugefügt.




2. Februar ist Mariä Lichtmess

Meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Vierzig Tage sind am 2. Februar seit dem Weihnachtsfest und der Geburt Jesu vergangen. Vierzig Tage galt eine Frau nach der Geburt eines Jungen als kultisch unrein. Erst wenn diese Frist verstrichen war, konnte das neugeborene Kind zum Tempel gebracht und dem Priester gezeigt werden, wie es das mosaische Gesetz vorschrieb. Darum endet auch erst an diesem Tag die Weihnachtszeit.

Bei dieser Gelegenheit, so berichtet es der Evangelist Lukas, begegnete Eltern und Kind Simeon. Das war ein alter, frommer Mann, dem der Heilige Geist verheißen hatte, er solle den Tod nicht erfahren, er habe denn zuvor den Gesalbten des Herrn gesehen. Nun nahm er das Jesuskind auf den Arm und sprach: „Herr, nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, welchen du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volks Israel.“

Drei Dinge treten in dieser Situation zusammen. Simeon erkennt unter den Vielen den Einen. Er hat über Jahre, vielleicht sein ganzes Leben damit verbracht darauf zu warten, dass der Welt ihr Erlöser geschenkt wird. Seinem Erkennen folgt unmittelbar das Bekenntnis. Er spricht aus, was auf der ganzen Erde und bei allen Völkern bekannt werden soll. Dann aber weist er auf einen Zusammenhang hin, durch den auch wir wiederum den Heiland der Welt erkennen sollen, denn er ist ein Licht.



Licht bewirkt den ganz besonderen Zauber der nun zu Ende gehenden Weihnachtszeit. Der Welt ist das Licht wieder geschenkt, die Tage werden länger, und sie werden heller. Die Zeit der bedrückenden Dunkelheit geht unweigerlich zu Ende, und niemand kann das verhindern. Diese Symbolik des Lichts hat den Menschen zu allen Zeiten Trost und Hoffnung gegeben, und in dieser Ordnung von streng abgezählten Tagen fanden sie Orientierung und Halt. Es begegnet uns darin ein ganz archaischer Lebensrhythmus, der uns eine Ahnung davon aufscheinen lässt, wie sehr wir Teil einer größeren Ordnung sind. Der Festkreis der Kirche verbindet sich mit der Ordnung der irdischen Zeit, er bildet den Lauf der Sonne ab, und hilft uns auch darin Zeichen zu sehen. Der Festkalender der Kirche soll uns in Einklang bringen mit dem Lauf des Lebens, mit seinem Werden und Vergehen.

Der 2. Februar ist ein Tag der Blickänderung, des Richtungswechsels. Letztmalig blicken die Menschen zurück in den dunklen Winter, in die lichtlose Zeit, um sich nun umzuwenden und nach dem Frühling zu schauen. Für das ganz praktische Leben hatten solche Tage darum auch eine ganz besondere Bedeutung. Mit Mariä Lichtmess endet für den Bauern die Winterruhe. Die Handwerker wiederum, die zu Michaelis, dem 29. September, damit begonnen hatten, auch bei Kerzenlicht zu arbeiten, löschten dieses nun wieder.



So wie die Sonne unaufhaltsam höher steigt und anhebt, die Natur wieder zu beleben, so macht sich nun auch der Messias auf seinen Weg. Die Menschen aller Zeiten haben so im Lauf der Gestirne eine Verheißung und ein Gleichnis für Gottes Plan von der Schöpfung und der Erlösung aller Dinge gesehen. Mit den Jahreszeiten, mit den Sternen, mit dem Lauf der Sonne und des Mondes zu leben, auf die Saat- und Erntezeiten zu achten können darum alles Formen sein, auf die Stimme des Schöpfers zu hören und ihm seinen Platz in unserem kleinen Leben einzuräumen.

Außerdem eröffnet sich dadurch ein Weg, in der Begegnung mit dem Vergänglichen und in der Erfahrung eigenen Vergehens das Unvergängliche zu suchen. Die Rhythmik der christlichen Feste, ihre Bezogenheit aufeinander und ihre Verwobenheit mit dem Lauf der Sterne und der Natur lassen uns, wenn wir sie aufmerksam mitvollziehen, spüren, daß Sinn und Ewigkeit in allen Dingen liegt.



Für uns Deutsche ist der Lichtmesstag aber auch noch dadurch von besonderer Bedeutung, weil der im Magdeburger Dom beigesetzte Otto der Große ihn zu seinem Krönungstag bestimmt hatte. Am 2. Februar 962 setzte ihm Papst Johannes XII. in Rom die Kaiserkrone aufs Haupt und vollendete damit die Erneuerung des Reiches.

Thomas Roloff

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