Dienstag, 25. September 2012

Varia

 Extracts from "The art of Piano",Glenn Gould playing J.S.Bach's Partita no 2
hier gefunden 

Eigentlich wollte ich in diesem Moment einen Nachtrag zu einem Buch liefern, das mich beim Hindurch-Kämpfen erst geärgert, aber dann vor allem ermüdet hat (Christopher B. Krebs: Ein gefährliches Buch. Die „Germania“ des Tacitus und die Erfindung der Deutschen). Aber ich schwanke noch.

Darum jetzt etwas anderes. Zum ersten, der Autor stieß mich erneut auf die Tatsache, daß tatsächlich die deutsche Sprache spät zu literarischem Bewußtsein ihres Werts gelangt ist. Und das, obwohl von der Vogelweide und Konsorten so eindrucksvoll vorgearbeitet hatten. Selbst mein geliebtes Barock hat leider keinen Shakespeare hervorgebracht. Es ist wirklich ein mehr als zu viel an Brüchen in der deutschen Geschichte. Darum wollen wir daran erinnern, daß Georg Rodolf Weckherlin am 25. September 1584 nach gregorianischer Zählung geboren wurde, ein tapferer Neu-Beginner.


Klaviersonate KV 331, W. A. Mozart

Georg Rodolf Weckherlin

Schönheit nicht wehrhaft

Laßt uns in den garten gehen,
schönes lieb, damit wir sehen,
ob der blumen ehr, die ros,
so euch eure farb gezeiget,
da sie heut der thau aufschloß,
ihren pracht noch nicht abneiget.

Sih doch, von wie wenig stunden
ihre schönheit überwunden,
wie zu grund ligt all ihr ruhm!
wie solt man, natur, dich ehren,
da du doch ein solche blum
einen tag kaum lassest wehren?

Was ist es dan, daß ihr fliehet,
indem euer alter blühet,
von meiner lieb süßigkeit?
ach, genießet eurer jahren!
die zeit wird eure schönheit
nicht mehr, dan die rosen, sparen.

Leben, nebel

Mensch, bist du klug,
und wilt recht wissen was dein leben,
so merk das wörtlein leben eben;
da hast du gnug.
lies es zuruck, so wirst du sehen,
was es, und wie es thut vergehen.


Goldberg Variationen, J. S. Bach

Glenn Herbert Gould wurde ebenfalls an einem 25. September geboren, nämlich 1932. Dem Blogger Jay verdanke ich, daß ich auf das oberste sehr merkwürdige Video stieß, aber an Gould ist bekanntlich vieles merkwürdig. Nicht allein, daß er Mozart für eher mittelmäßig hielt, er schickte ihm auch noch u.a. die obige Interpretation hinterher (Nr. 2), wahrlich kein Maulheld. Das letzte Stück ist zwar von grausiger Aufnahmequalität, aber man bekommt doch eine Ahnung. Eine verwegene Gestalt, und irgendwie unsterblich.
nachgetragen am 26. September

Kommentare:

Walter A. Aue hat gesagt…

Die Mozart Sonate ist psychologisch sehr interessant und erinnerte mich an ein Mozart Klavierkonzert mit Szell/Gould in Cleveland. Wie dort, nur hier noch klarer, spielt Gould reinen Gould. Was interessant fuer mich ist: Zwei grosse Musiker koennen so verschiedene Seelen haben, dass es zwischen diesen keinerlei Beruehrungsbereiche (ausserhalb der Noten) gibt. Auch in der Literatur soll das (ausserhalb der Woerter) schon vorgekommen sein.

MartininBroda hat gesagt…

Ich kenne ein paar Aufnahmen von ihm, aber alles Bach. Das einmal beiseite gelassen, seine Mozart - Interpretationen sind schon sprachlos machend. Ich habe mir dieses Stück beim Auswählen mehrfach angehört, kannte das zu meiner Schande nicht. Es ist ein wenig so als ob er nicht einfach Mozart nur nicht so wirklich mag, er demonstriert ziemlich eindrucksvoll - "nun so wäre er vielleicht halbwegs erträglich". Ist das nun eine Parodie, eine Notzüchtigung, ist es anmaßend oder ist es genial. Zum Glück habe ich von all diesen Dingen keinerlei Ahnung und sollte deshalb besser nicht urteilen. Nicht daß ich damit auf Ihren originellen Gedanken geantwortet hätte, dafür gilt mutatis mutandis dasselbe.