Freitag, 5. August 2011

Kaiserin Friedrich


Victoria als preußische Kronprinzessin,
porträtiert von Franz Xaver Winterhalter, 1867

Wenn Beiträge hier nicht zustande kommen, ist es meist ein Gemisch jeweils ganz unterschiedlicher Gründe. Bei der „Kaiserin Friedrich“, der Mutter unseres letzten Kaisers, war es wohl nur die unbestreitbare Tatsache, daß ich Dame nicht sonderlich mag. So ging es mir vor einem Jahr schon einmal. Ein Nachtrag dennoch.

Denn ich hatte noch einmal ein wenig gelesen, um das Gefühl vielleicht etwas abzumildern. Und stieß in dem grandiosen Buch von Nicolaus Sombart über Wilhelm II. – im Grunde ein verzweifelter Appell an seinen Historikerfreund C. G. Röhl, dem Kaiser in seiner mehrbändigen Biographie „etwas gerechter zu werden“, sofort wieder auf diesen Satz, der Grund des Anstoßes sei: „Er liebt den Kaiser nicht“.

Die verweigerte Empathie ist eines der typischen Kennzeichen der Bewohner dieses irritierenden Zeitalters, gerade bei den sich intellektuell begabt Fühlenden. Aber wie kann man etwas verstehen können, dem man sich nicht wirklich zuwenden oder notfalls aussetzen will? Man hat gar nicht die Absicht, das ist die banale Antwort.

Mir fiel zufällig ein Artikel aus einer der sogenannten Qualitätszeitungen von einem Herrn Müller von vor zwei Jahren wieder in die Hand, in der er eher brüchig eloquent gegen das Rekonstruieren wettert. Ein bezeichnendes Dokument im o.g. Sinne. Zunächst räsoniert er darüber, das 19. Jahrhundert hätte noch gewußt, es würde zitieren, heute aber wäre an dessen Stelle die Haltung des „Nachbestellens“ getreten, und die „warme Stube der Wiederbringung“, die „Kategorie des Verlusts, erlebt im Schmerz“ sei verschwunden. Fast hätten wir den guten Mann jetzt sympathisch gefunden, aber während wir den Dunst der Nebelkerzen hinweg wedeln, werden wir stutzig, ihm mißfällt der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche, ausgerechnet!

Ausgerechnet die Dresdner Frauenkirche wird als Muster eines Fakes genannt, nicht einer der Fälle, wo einem Einkaufszentrum die Tapete eines Schlosses aufgeklebt wurde, hm. Klingt uns das unaufrichtig? Wo doch dort mit soviel Umständlichkeit in dem Wiederverwenden von allem, was noch verwendbar schien, gearbeitet wurde, also bis zum Respekt vor der materiellen Substanz, ja mit Liebe sogar, bis hin zur wiederhergestellten authentischen Nutzung. Und nein, es wurde keinem aus Betonblöcken gebildeten seelenlosen Raum eine alte Fassade davorgehängt, so bezeichnend für diese Fassadenrepublik.

Ihm mißfällt auch der geplante Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses, schließlich haben wir keinen König mehr, und Herr Ulbricht ließ es abreißen, und jetzt kommt es: „Aber es steht eben nicht mehr, es ist einem Entschluss zum Opfer gefallen, den man … kühn in seiner Unmissverständlichkeit nennen muss: mit der Tradition Preußens ein für allemal zu brechen und hierfür ein klares, unwiderrufliches Zeichen zu setzen. Und so sprengte die DDR das Schloss, um genau an dieselbe Stelle einen Palast der Republik zu setzen.“

Er verstreut dann noch ein paar interessantere Gedanken, aber wir wissen bereits zu viel, als daß wir diesen gefälligen Ablenkungen noch nachgehen wollten.

Wenn man den Habitus der Durchschnitts-Intellektuellen von vor 210 Jahren mit heute vergleicht, findet man keinen großen Unterschied. Es ist nur weniger geworden, woran sie sich abarbeiten können. Sie wollen die Zerstörung und sie hassen die Kirche (wo es sie noch gibt).

Während der gloriosen Zeit der Französischen Revolution wurden in Cluny 1793 erst die Archive verbrannt, dann die Kirche geplündert und 1798 kaufte ein Kaufmann die größte romanische Kirche des Abendlandes, um sie als Steinbruch zu verwenden. De facto gibt es sie nicht mehr. Mehr braucht man nicht zu wissen.
beendet am 9. August

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