Donnerstag, 13. Mai 2010

Himmelfahrt



Ich war etwas in Verlegenheit, zum heutigen Tage etwas zu schreiben. Am 40. Tag nach der Osternacht wird Christus in den Himmel entrückt, sein Wandel auf der Erde ist vollendet. Daran gedenkt die Kirche am Tage Christi Himmelfahrt. In der genannten Verlegenheit griff ich nach etwas Vertrautem, zu Vater Luther nämlich und fand diese Predigt, die man im Ganzen hier nachlesen kann und die mir derart gefiel, daß ich ihr zitateweise folgen will. Übrigens, da der Garten momentan noch etwas monoton aussieht, habe ich dazu alte Rosenbilder von vor etwa 3 Jahren erneut herausgekramt.



Martin Luthers Predigt zu Lukas 24, 50 - 53

Er führte sie aber hinaus gen Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, da er sie segnete, schied er von ihnen, und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an, und kehrten wieder gen Jerusalem mit großer Freude, und waren allewege im Tempel, preisten und lobten Gott.

1. Man begeht heute den Tag der Himmelfahrt unseres Lieben Herrn Christi, um des Artikels willen in unserem Glauben, da wir also sprechen: Ich glaube an Christum, der aufgefahren ist gen Himmel, und sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Dieser Artikel ist eine Ursache, daß wir den heutigen Tag feiern, auf das wir nicht allein lernen, wie solche Himmelfahrt zugegangen ist, sondern auch, was Christus dadurch ausgerichtet und damit anzurichten gemeint hat.

2. Die Geschichte aber beschreibt Lukas eigentlich und fein, daß man den Tag, Ort und Zeit, und danach auch die Personen wissen kann, die dabei gewesen sind, und wie es zugegangen ist…

3. Da ist einmal das Wunderwerk zu bedenken, daß der Herr in so wunderbarer Weise von seinen Jüngern in die Höhe auffährt, wie ein Vogel, und verschwindet in den Lüften, das ist, er fährt so hoch, daß seine Jünger ihn nicht mehr sehen können…

4. Das ist ein Zeichen, an dem wir lernen möchten, was für Leiber wir nach diesem Absterben bekommen sollen. Jetzt ist es um unsere Leiber ein schweres, langsames Ding: aber wenn wir von den Toten auferstehen und neue Leiber bekommen werden, das werden wohl rechte Leiber, von Fleisch und Bein und allen Gliedern sein; aber sie werden nicht mehr so schwer und ungelenk sein, sondern gleichwie wir mit Gedanken jetzt schnell da und dort sind, also wird man es dann mit dem Leibe auch tun können.



5. Nun müssen wir aber auch sehen, was unser lieber Herr Christus mit solcher Himmelfahrt hat ausrichten wollen, und worin wir solcher Himmelfahrt auch hier auf Erden genießen können. Da ist das erste, weil wir sehen, daß Christus über sich in den Himmel fährt, daß wir daraus schließen müssen, Christus wolle mit der Welt und ihrem Reich nichts zu schaffen haben…

6. Denn darum darf und soll niemand ein Christ werden, daß er dadurch zu Geld und Gut, oder großen Ehren kommen wolle. … Es ist um anderes und Höreres zu tun, nämlich, daß uns geholfen werde mit den ewigen Gütern, als da sind, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben...

7. ... Denn solches haben nicht unsere guten Werke, heiliges Leben, oder Gehorsam verdient; sondern er selbst, der Herr, der solche Gaben gibt, der hat es verdient damit, daß er vom Himmel hernieder gestiegen, sich seiner Gottheit, wie Paulus an einem anderen Ort sagt, geäußert, und um unseretwillen ist Mensch geworden, und für uns am Kreuz gestorben.

8. Solch eine Wohltat will Paulus mit diesen Worten anzeigen, daß er daran denkt was es bedeutet das Christus vom Himmelsthron herunter gestiegen ist. … "Es ist euch gut, daß ich hingehe; denn so ich nicht hingehe, so kommt der Tröster, der Heilige Geist, nicht zu euch. Wenn ich aber hingehe, so will ich ihn zu euch senden ", Johannes 16,7. …

9. …Henoch ist aufgenommen zu Gott. Elias ist auf einem feurigem Wagen gen Himmel gefahren. Aber Christus ist nicht so gen Himmel gefahren; sondern er selbst, aus eigener Kraft, ist über sich gefahren, gleich wie er sich selbst von den Toten, aus eigener Kraft und Macht, ohne eines anderen Hilfe erweckt hat… Denn wir werden uns am jüngsten Tage von den Toten nicht auferwecken, sondern Christus wird uns auferwecken… Solchen Unterschied hat der Heilige Geist lange zuvor angezeigt, und damit uns lehren wollen, daß wir Christum als einen rechten, allmächtigen, ewigen Gott annehmen sollen.

10. Das aber der Psalm weiter sagt: "Du bist aufgefahren in die Höhe", solches ist, wie wir oben auch gesagt haben, nichts anderes, denn das Christus vor Pilatus sagt: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt"…

11. Aber was geschieht? Die meiste Zeit steckt mit Leib und Seele, mit Händen und Herzen allein in diesem vergänglich in Leben, und trachtet, wie man hier genug habe, und nimmt sich nichts oder wenig an, daß Christus in die Höhe gefahren ist. Da möchte der Heilige Geist gern wehren … auf das wir, weil wir mit dem Leibe noch hier unten sind, doch uns mit dem Herzen und Gedanken über sich heben, und unserer Herzen mit Sorgen dieses Lebens nicht beschweren. … das Herz aber soll sich um das Ewige annehmen, wie Paulus spricht Kolosser 3,1. 2.: " Suchet, was droben ist, und nicht nach dem, daß auf Erden ist ".



12. Was tut aber Christus oben? ... Ist er müßig, oder tut er gar etwas? ...

13. … Der Teufel treibt und regiert uns, und der Tod würgt uns; da ist keine Rettung, die wir von uns selbst haben könnten. Aber Christus, als der Stärkere, kommt, erstlich in aller Demut gibt er sich hin und läßt sich am Kreuz würgen. Bezahlt also mit seinem eigenen Tod für der ganzen Welt Sünde, als ein armes, unschuldiges Lamm…

14. Als nun die Sünde durch solchen Tod versöhnt und abgetragen ist, und der arme Christus in dem Grabe liegt, und niemand eine Hoffnung noch Trost seinetwegen hat, da macht er sich in aller Macht und Herrlichkeit wieder aus dem Tode hervor, wie wir diesen Ostern gehört haben, und, wie der Heilige Geist hier sagt, nimmt er das Gefängnis gefangen, das ist, er bricht dem Teufel und Tod seine Macht, und nimmt ihnen das Regiment, daß der Teufel nicht mehr den Christen schaden, und der Tod sie nicht mehr würgen noch die Sünde sie anklagen soll.

15. …Denn dazu ist Christus gen Himmel gefahren, daß er Sünde, Tod und Teufel will gefangen halten, daß sie uns nicht mehr Schaden tun sollen, wie zuvor; sondern wenn sie uns einen Schaden tun, so soll es doch uns zum Besten werden.

16. Die Sünde läßt es nicht, sie reizt und lockt, ob sie uns wider Gottes willen bewegen könnte und ein böses Gewissen machen. Wir aber sind so schwach, daß wir uns oft bewegen und betrügen lassen...

17. Also ist es mit dem Tode auch: der kann es nicht lassen, er muß die Zähne gegen uns zeigen, und sich stellen, als wenn er uns fressen wollte… Darum, wenn er am meisten tobt und wütet, und sich am schrecklichsten stellt, richtet er doch bei den Christen nicht mehr aus, denn daß er sie zu Gottes Wort treibt, daß sie dieses desto fleißiger üben, in sich bilden und damit sich trösten; da sonst, wo die Schrecken des Todes nicht wären, sie das Wort nicht so fleißig annehmen würden.

18. Eben also geht es mit dem Teufel auch: der ist ein böser Feind, schleicht Tag und Nacht den Christen nach, ob er sie fällen und ihnen den Schatz des ewigen Lebens nehmen könnte…

19. Also dienen den Christen solche Anfechtungen, Schrecken und Gefahr nicht darum, als wäre nichts Schädliches an ihnen. Ihrer Natur und Eigenschaft wegen sind sie sehr schädlich, wie man an der Welt sieht. Aber da ist die Himmelfahrt unseres Herrn Christi in ihrem rechten Brauch und Übung, daß solche Feinde gefangen sind, und an den Christen das nicht ausrichten sollen, daß sie sonst nicht lassen könnten. Die Sünde würde verdammen, der Tod würgen und der Teufel in alle Not und Jammer werfen; aber es sind gefangene Feinde. Darum, ob sie es gleich böse meinen, soll es doch nicht schaden. Das ist nun eine herrliche und große Frucht der Himmelfahrt Christi, daß die großen Feinde Sünde, Tod und Teufel, die uns gefangen hielten, vom Herrn Christus gefangen, und wir der von erlöst sind; denn darum ist er gen Himmel aufgefahren und sitzt zur rechten Gottes, daß er vor solchen Feinden seine Christen schützen will.

20. Bei dem allein will er es aber nicht bleiben lassen… Christus sagt in Johannes 16,7. 8. Da er spricht: " So ich hingehe, will ich den Tröster zu euch senden. Und wenn derselbige kommt, wird er die Welt Strafen um die Sünde, und um die Gerechtigkeit, und um das Gericht "…

21. Nun aber richtet der Heilige Geist zweierlei aus: erstens bringt der uns durch das Evangelium zur Erkenntnis Christi, daß wir in seinem Namen Vergebung der Sünden glauben: zum anderen, das wir unser Leben bessern, der Sünde widerstehen und sie töten, und uns an einem herzlichen Gehorsam gegen Gott begeben. Das heißt Seele und Leib, Herz und alles an uns fromm machen. Denn wenn wir nie hier auf Erden, um unseres sündigen Fleisches willen, dahin kommen können, daß wir ganz rein und ohne alle Sünde werden; so wird doch solche anklebende Sünde, durch den Glauben an Christum, uns nicht zugerechnet, kann uns auch nicht verdammen. Das ist das erste, daß der Heilige Geist in uns ausrichtet.

22. Zum anderen braucht der Heilige Geist uns auch dazu, das wir durch das Wort und das Predigtamt andere auch zu solcher Gnade und Erkenntnis bringen...

23. Danach heißen auch das Gaben, daß Gott durchaus seine Kirche regiert und führt, in Anfechtung tröstet, in Verfolgung rettet, in der Wahrheit wieder Irrtum leitet und erhält, und besonders sie zum Gebet erweckt; wie der Herr im nächsten Evangelium sagt: " Am selben Tage werdet ihr beten in meinem Namen "; denn solches kann man ohne Hilfe des Heiligen Geistes nicht tun. In der Summe, was wir haben und empfangen, sind lauter Gaben Christi, und die rechte Frucht seiner fröhlichen Himmelfahrt; denn darum ist er aufgefahren, daß er dadurch sein Reich fördern, und sich eine christliche Kirche durch das Wort und den Heiligen Geist erhalten will.

24. Solches zeigt auch sehr schön Lukas in dem Text an, welchen wir am Anfang gehört haben. Denn er sagt: Da Christus habe wollen denn Himmel auffahren, habe er seine Hände aufgehoben und seine Jünger gesegnet…

25. Wo nun das Heilige Evangelium gepredigt würde, da geht solches aufheben der Hände und Segen des Herrn Christi noch, daß es Frucht schaffen und nicht umsonst gepredigt werden soll…



26. Darin sehen wir, was für ein tröstliches und freudenreiches Fest wir an der Himmelfahrt haben, und wie in vielen Wegen wir dieses genießen: das künftig, weil unser Fleisch und Blut, der Sohn Gottes, zur Rechten seines Vaters sitzt, der Sünde, dem Tode und Teufel alle Macht genommen, daß sie uns nicht schaden sollen. Wenn auch sie gleich unsere Todfeinde sind und sich immer wieder gegen uns stellen; so sind es doch gebundene und gefangene Feinde. Dazu schenkt uns Christus seinen Geist, daß derselbe uns in aller Wahrheit leiten, wieder allen Irrtum erhalten, in Anfechtungen trösten, mit uns beten und uns zum Beten ermahnen soll, und danach mit allerlei Gaben und Gnaden zieren. Denn wegen solcher Ursache ist Christus gen Himmel aufgefahren und sitzt zur Rechten Gottes, daß, wie Paulus sagt, er alles erfülle, das ist, uns alles gebe und schenke, daß wir zur Seligkeit und ewigen Leben bedürfen. Darum sollen wir der lieben Apostel Beispiele folgen und, wie Lukas hier sagt, mit ihnen den Herrn Jesum Christum anbeten, fröhlich und guter Dinge sein; und daneben Gott, unserem gnädigen Vater im Himmel, danken, ihn loben und preisen, und beten, daß er uns in solcher Gnade weiter erhalten, und endlich um Christi Jesu, seines Sohnes, willen wolle selig machen. Das verleihe uns Gott allen, Amen.

6 Kommentare:

Walter A. Aue hat gesagt…

An der Predigt koennten sich viele heutige Prediger ein Beispiel nehmen!

Danke!

Rosabella hat gesagt…

lieber Martin,
ich freue mich wirklich sehr, dass Sie mir und meinem Blog auch weiterhin treu bleiben, trotz "abgespeckter" Aufmachung ... ehrlich gesagt hat mich die Abmahnung so sehr verunsichert, dass ich nun eigentlich am liebsten nur noch auf meine eigenen Fotos und Texte, die aus meiner Feder stammen, zurückgreife; ich bin mir bewusst, dass ich damit nicht mehr den "alten" Leserkreis unbedingt erreiche, aber was soll's, man kann es schließlich nicht allen recht machen, und um so mehr freue ich mich über diejenigen, die mich auch weiterhin besuchen!
danke ♥

Greg hat gesagt…

Ahh, what lovely roses. :)

MartininBroda hat gesagt…

Lieber Herr Prof. Aue, ich sehe völlig verwirrt, daß ich noch nicht geantwortet hatte, meine Erinnerung hat mich da wohl betrogen, hm. Ich hatte wirklich Bedenken, ob so eine direkte "Herüberholung" einer Lutherschen Predigt in die Gegenwart funktionieren kann, aber beim Kürzen hatte ich ebenfalls das Gefühl, doch es geht.

MartininBroda hat gesagt…

Liebe Rosabella, vielleicht klingt das ignorant, aber so abgespeckt empfinde ich ihn gar nicht, und warum Ihr Blog einer meiner Lieblingsblogs ist, habe ich hoffentlich ein wenig erklären können. Ich bin so dankbar, daß Sie weitermachen.

MartininBroda hat gesagt…

Greg, the roses are lovely, unfortunately the pics are from the last years, I was a bit tired of waiting for the new ones. :-)